Der Umbau

Manche Gebäude zeigen erst im Verlauf der Arbeiten eines Umbaus, was in ihnen steckt und was sie verlangen. Das Kesselwerk® war so ein Gebäude und was bei den umfassenden Umbauarbeiten herausgekommen ist, gehört zu den außergewöhnlichsten industriellen Raumumwandlungen, die die Region in den letzten Jahren gesehen hat.

Hinter dem Umbau stehen drei Freunde, die in dem verfallenen Industriegebäude sofort etwas gesehen haben, was andere nicht sahen. Die Entscheidung es zu kaufen, fiel schnell, obwohl das Ausmaß der Aufgabe von Anfang an klar war. Was die Drei antreibt, ist eine echte Überzeugung davon, dass alte Gebäude es wert sind, erhalten zu werden. Das Kesselwerk® hat ihnen sichtlich recht gegeben.

Das Gebäude, ein ehemaliges Kohlekraftwerk im Bauhausstil, stand über Jahrzehnte leer. Das Erdgeschoss war bereits geräumt und die schwere Kesseltechnik Anfang der 2000er Jahre durch die Stadt Krefeld herausgelöst worden. Zurückgeblieben waren die Dinge, die dem Gebäude bis heute seine Ästhetik geben. Die großen, teils beschädigten Fensterfronten standen noch, die ursprüngliche Raumaufteilung war intakt und die tragenden Bauteile in dem Zustand, in dem die letzte Nutzung sie hinterlassen hatte.

Im Keller sah es anders aus. Massive Stahltanks, Rohrleitungen, ein ehemaliger Wasserfilter über zwei Geschosse und weitere technische Anlagen waren noch vollständig in Beschlag. Rückbau, Bewertung und Neuaufbau liefen parallel, weil bei jedem Schritt erneut entschieden werden musste, was das Gebäude hergab und brauchte.

Das Kesselwerk® steht vollständig unter Denkmalschutz. Jede Baumaßnahme musste begründet, abgestimmt und sorgfältig dokumentiert werden, bevor sie ausgeführt werden durfte. Was im Bauprozess zunächst nach Bürokratie klingt, hat dem Umbau rückblickend gutgetan. Es zwang dazu, bei jeder Entscheidung zu unterscheiden, was wirklich notwendig war und was bloß bequem gewesen wäre. Wer heute durch das Kesselwerk® geht, begegnet Elementen, die Jahrzehnte überdauert haben und doch wirken, als wären sie genau für diesen Moment heute gemacht worden.

Sie sind das Erste, was man sieht, ob man das Gebäude von außen betrachtet oder es betritt und sie gehören zu den aufwendigsten Elementen des gesamten Umbaus. Die Fenster. Jedes einzelne Profil wurde von Hand bearbeitet, alte Lackschichten abgetragen, Oberflächen geschliffen, grundiert, neu lackiert und beschädigte Stellen wurden wieder instandgesetzt. Besonders zeitintensiv war die Arbeit an der Fenstermechanik. Die Kurbeln und Beschläge der Pivot-Fenster wurden zerlegt und so wieder zusammengefügt, dass sie heute wieder das tun können, wofür sie ursprünglich gebaut wurden.

Unter den alten Lackschichten lagen frühere Farbtöne, die gemeinsam mit dem Denkmalschutz mikroskopisch untersucht wurden. Die khakigrüne Farbe, die am Ende ausgesucht wurde, wurde zur Grundlage einer eigens für das Kesselwerk® hergestellten Farbe und legte damit den Grundstein für das gesamte Farbkonzept des Gebäudes.

Die ursprüngliche Betondecke war außergewöhnlich filigran da eine Dämmung in der früheren industriellen Nutzung weder vorgesehen noch notwendig war. Eine erste Dämmung kam in den 2000er Jahren hinzu, die den schlanken Charakter der Decke dabei jedoch zwangsläufig veränderte.

Beim Umbau war die eigentliche konstruktive Aufgabe, den Dachaufbau energetisch auf den heutigen Stand zu bringen, ohne dass die Decke ihren Charakter verliert. Dafür wurde ein zweiteiliges Traufdetail aus zwei unterschiedlich ausgeführten Blechen in Betonoptik entwickelt. Es erinnert an die ursprüngliche Leichtigkeit der Decke und erfüllt gleichzeitig alle energetischen Anforderungen. Die Entwässerung wurde auf die Rückseite des Gebäudes geführt und farblich so abgestimmt, dass sie im Gesamtbild nicht weiter auffällt.

Der Anspruch der drei Bauherren zieht sich durch jeden Quadratmeter. Was erhalten werden konnte, wurde erhalten. Nahezu alle vorhandenen Böden wurden aufbereitet und neu versiegelt. Doch einige Herausforderungen wurden genutzt, um das Beste aus dem Gebäude rauszuholen.

Die Kellerdecke im Herzstück musste aus statischen Gründen neu betoniert werden und so nutzte man die Gelegenheit, um eine moderne und effiziente Fußbodenheizung unsichtbar im neuen Aufbau verschwinden zu lassen. Überall im Gebäude erzählen kleine Details kleine Geschichten. Die zweifarbigen Fliesen im Küchenbereich zum Beispiel sind neu, erinnern aber an die Wände der ehemaligen Sanitäranlagen, die sich einmal genau dort befanden.

Wer das weiß, sieht das Gebäude anders. Der Hirnholzboden im Meisterbüro war nach Jahren der Nutzung als Werkstattboden nicht mehr zu retten. Doch da dieser Boden eine essenzielle Rolle im ganzen Design des Raumes spielt wurde jedes einzelne Holzstück neu von Hand verlegt, in exakt gleichen Abmessungen und gleichem Verlegemuster wie das Original. Das er neu ist sieht man ihm an, aber das ist eine der bewussten Entscheidungen, die für ein stimmiges und besonderes Designkonzept getroffen wurden.

Was über Jahre, aus Industriegeschichte, handwerklichem Aufwand und echtem gestalterischen Anspruch entstanden ist, ist heute als Eventlocation buchbar. Für Firmenevents, Ausstellungen, Produktpräsentationen, Shootings und private Veranstaltungen, die einen Rahmen suchen, der in Erinnerung bleibt.